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Gehaltstransparenz: Warum jetzt, wie starten – und was Unternehmen wirklich weiterbringt

Gehalt & Transparenz zählen zu den emotionalsten und strategisch wichtigsten Themen im HR-Bereich. Mit der EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz steigt der Druck – aber vor allem die Chance, Gehaltsstrukturen fair, nachvollziehbar und wirksam aufzusetzen.
Warum Gehaltstransparenz mehr ist als ein Häkchen bei der Richtlinie

– Retention-Hebel Nr. 1: Wahrgenommene Fairness verhindert innere Kündigung und reduziert Flurfunk.
– Strategischer Backbone: Transparente Gehaltslogiken sind das Fundament für Performance, Karrierepfade, Beförderungen und Entwicklung.
– HR gewinnt an Position: Wenn HR Benchmarks, Bänder und saubere Prozesse zur Umsetzung der Gehaltstransparenz liefert, wird HR zum echten Business-Partner.

Der Start: Status quo zuerst – welche Tools?

1) Nullmessung & Datenbild

– Aktuelle Gehaltsverteilungen je Bereich/Team sichtbar machen (inkl. Bestandteile wie Boni, Firmenwagen etc.).
– Auffälligkeiten markieren: Bandbreite, Ausreißer nach oben/unten, historische Gründe.

2) Rollen klären, Stellen sauber beschreiben

– Von Namen lösen, Rollen definieren.
– Nicht nur fachliche Anforderungen, sondern auch Entscheidungsbefugnis, Budget-, Kommunikations- und Ergebnisverantwortung bewerten.

3) Toolauswahl (wenn sinnvoll)

– Kriterienliste: Datenschutz (EU-Hosting), Benchmarks, Grading-Logik, Editierbarkeit, Budget.
– Beispiele aus der Praxis: Willis Towers Watson (Comp & Ben/Benchmarking) oder HR Online Manager (KI-gestützte Stellenbeschreibungen)
– Wichtig: Tool ersetzt nicht die Entscheidung – es beschleunigt sauberes Arbeiten.

Gehaltsbänder einführen: So wird’s ein Projekt

Projektsetup & Rollen

– HR führt und macht die Vorarbeit. Führungskräfte eng einbinden – aber gezielt und zeitlich gut getaktet.
– Eine dedizierte Projektleitung ist Gold wert – paralleler HR-Betrieb frisst sonst jede Lücke.

Stakeholder-Management

– Geschäftsführung/Top-Management früh mit Datenbildern abholen: „So sehen unsere Verteilungen aus.“
– Führungspersonen später in die Bewertung der Rollen holen (wenn die Basis steht).
– In Betrieben mit Betriebsrat frühzeitig die Arbeitnehmervertretung in den Prozess und in die Kommunikation einbinden.
– Kommunikation an die Belegschaft erst dann, wenn realistische Timelines stehen.

Zeit & Realismus

– Von „nebenbei“ bis „ein Jahr“ ist alles möglich – abhängig von Größe, Historie, Datenlage und Kapazitäten.
– Entscheidend: Roadmap mit Meilensteinen (Stellenbeschreibungen → Bewertung → Benchmarks → Bänder → Governance/Erhöhungslogik → Rollout & Kommunikation).

Quick Wins, die sofort helfen

– Benchmarks im Recruiting nutzen: Selbst wenn die Bänder noch nicht „live“ sind, helfen valide Marktspannen bei Ausschreibungen und Angeboten.
– Gehaltsangaben in Stellenanzeigen: Stärkt Marktposition & Candidate Experience – intern dann die Kommunikation mitdenken.
– Faktenbasierte Gespräche: Bei Gehaltsforderungen Reports aus Benchmarks nutzen
– weg von „Bauchgefühl“, hin zu objektivierbarer Einordnung.

Kommunikation: Klar, ehrlich, dosiert

– Erwartungen managen: Nicht zu früh „wir machen Bänder“ rufen – erst planen, dann kommunizieren.
– Transparenz ≠ individuelles Gehalt am Schwarzen Brett. Es geht um nachvollziehbare Logiken, Stufen, Entwicklungspfade – nicht um Bloßstellung.
– Finanzrealität aussprechen: Wirtschaftliche Stabilität ist ein legitimes Leitprinzip.
Das kann und darf gesagt werden.

Das heikle Thema: Ungleichgewichte korrigieren – ohne die Organisation zu überfordern

Fast jedes Unternehmen findet beim Status quo nicht erklärbare Spreizungen: Menschen in derselben Rolle, aber weit auseinander beim Gehalt. Was dann?

1) Prinzipien festlegen

– Interne Logik (Grading, Bands, Progression) gilt für alle – sichtbar und konsistent.
– Out-of-Range oben: Ehrlich machen, dass es ggf. vorerst keine Erhöhungen gibt; Anerkennung nicht nur monetär denken (Performance-/Entwicklungsoptionen, Sichtbarkeit, Aufgabenportfolio).
– Out-of-Range unten: Anheben – aber geplant.

2) Finanzierbaren Anpassungsplan bauen

– Etappenweise hochziehen (z. B. in jährlichen Budgets), nach klaren Kriterien priorisieren (Impact, Gap-Höhe, Rollenknappheit, Risiko).
– Kommunizieren, bevor Gerüchte laufen: „Wir haben Lücken identifiziert. So korrigieren wir sie – in Stufen X/Y/Z.“
– Ergebnis: Nicht alle sind sofort glücklich – aber alle wissen, dass und wann etwas passiert.

Governance: Damit’s nicht wieder „verwildert“

– Bandpflege & Review-Zyklen (z. B. jährlich): Markt, Inflation, Talentknappheit, neue Rollen.
– Erhöhungslogik festhalten (Merit, Market Adjustments, Promotions).
– Rollen-Guides für Führungskräfte: Was gehört in welche Stufe? Wie wird Entwicklung sichtbar?
– Dokumentation & Enablement: FAQs, Manager-Toolkits, Trainings, Sprechstunden.

Typische Stolpersteine – und wie du sie umgehst

– Zu breit kommuniziert, zu früh: Erwartungsdruck explodiert. → Erst Roadmap, dann Ansage.
– Nur Fachanforderungen bewertet: Decision-Making, Budget, Außenwirkung vergessen. → Ganzheitlich bewerten.
– Ein Tool soll’s „richten“: Tut es nicht. → Tool als Beschleuniger, nicht als Entscheider.
– Keine Priorisierung bei Anpassungen: Budget verpufft. → Klares Korrekturkonzept.
– Führungskräfte allein lassen: → Daten, Benchmarks, Gesprächsleitfäden liefern.

Fazit: Transparenz schafft Ruhe – und strategische Handlungsfähigkeit

Wenn Rollen beschrieben, bewertet und in faire, marktnahe Bänder gegossen sind, passiert zweierlei:

1.) Das Kopfkino stoppt. Menschen wissen, wo sie stehen und wie Entwicklung möglich ist.
2.) HR wird zum Wachstumsmotor. Recruiting wird schneller, Führung wird klarer, Retention steigt – und die Organisation gewinnt Planbarkeit.

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– Begleitung im Projekt: Von der Nullmessung bis zum Rollout – inkl. Kommunikation
– Newsletter: Regelmäßig Updates, Praxisbeispiele und rechtliche Einordnung zur Entgelttransparenz. Hier kostenlos für den Newsletter eintragen.

Das nächste online Seminar „Gehaltstransparenz verstehen – faire Gehaltssysteme umsetzen“ findet am 27.01.2026 von 9-13 Uhr statt.